Vormerken

Freyburger Wurzeln

Zwei Namen. Zwei Freyburger Traditionen.

Feldmann Neidel

In unserer Familiengeschichte stehen zwei Namen, die man in Freyburg kennt. Der eine führt hinunter in die Sektkeller, der andere zu den Gastgebern der Stadt, bis hinauf an den Schlossberg. Hier erzählen wir, was die Quellen über sie sagen. Und was wir noch suchen.

Historische Postkarte von 1913: das Restaurant Edelacker am Schlossberg mit dem Dicken Wilhelm, darunter ein Relief der Edelacker-Sage
Restaurant Edelacker, 1913. Postkarte, Brück & Sohn Kunstverlag Meißen. Früher hieß das Haus „Neidels Waldhaus“.

Eine Familiengeschichte lebt von Erinnerungen. Damit sie nicht zur Legende wird, zeigen wir bei jeder Angabe, worauf sie beruht.

BelegtFamilienarchivOffene Spur

1871Der Kellermeister

Ein Mainzer im Freyburger Keller.

Am 3. Februar 1871 beginnt Adam Feldmann als Kellermeister bei Kloss & Foerster, der Freyburger Sektkellerei, aus der später Rotkäppchen wird. Er kommt aus Mainz und folgt auf seinen Vorgänger Lewalder. Rund dreißig Jahre lang wird er die Keller prägen.

Mit ihm kommt die Familie aus Mainz: seine Frau Luise, geborene Straub, und die Söhne Georg und Wilhelm, damals fünf und drei Jahre alt. Beide werden später selbst Kellermeister in Freyburg.

Kellermeister zu sein heißt in einer Sektkellerei: Weine auswählen, Cuvées zusammenstellen, die Gärung in der Flasche überwachen. Ein Handwerk, in dem man Geduld in Jahren misst.

BelegtFestschrift „Die Rotkäppchen Sektkellerei 1856–2006“ [1]FamilienarchivKirchenbücher Mainz
Anzeige von Kloss und Foerster aus dem Jahr 1906: eine Festtafel mit einer großen Sektflasche
Anzeige von Kloss & Foerster in der Zeitschrift „Jugend“, 1906. Gemeinfrei.

1896Das große Fass

Aus 25 Eichen gebaut.

Am 3. Februar 1896, auf den Tag 25 Jahre nach Adams Dienstbeginn, feiert die Kellerei zwei Dinge auf einmal: das Jubiläum ihres Kellermeisters und die Fertigstellung des großen Fasses. Gebaut hat es sein Sohn Georg Feldmann, zusammen mit den Küfern des Hauses.

25Eichen
120.000Liter
160.000Flaschen

Das geschnitzte Cuvéefass im Domkeller diente dazu, große Weinmengen für die Sektbereitung zusammenzuführen. Es steht bis heute dort und gehört zu den bekanntesten Stücken der Kellerei.

BelegtFestschrift [1], Deutsches Weininstitut [2]
Das große geschnitzte Cuvéefass im Domkeller der Rotkäppchen Sektkellerei
Das Cuvéefass im Domkeller. Foto: ErwinMeier, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
Plakat von Hans Rudi Erdt aus dem Jahr 1912 für Rotkäppchen Sekt von Kloss und Foerster
Rotkäppchen-Plakat von Hans Rudi Erdt, 1912. Gemeinfrei.

1929Die Söhne

Vom Vater auf die Söhne.

Adams Söhne Georg und Wilhelm lernen ihr Handwerk auch im Ausland und treten dann seine Nachfolge an. 1929 scheidet Georg aus. Ihm folgt sein gleichnamiger Sohn, ebenfalls Georg Feldmann.

Drei Generationen, eine Kellerei.

Der Kellermeister Georg Feldmann, den die Chronik auf einem Foto aus der Nachkriegszeit zeigt, ist der jüngere Georg. Sein Vater ist 1939 gestorben.

BelegtFestschrift [1]FamilienarchivLebensdaten

1896Am Markt

Neidel’s Hotel, Freyburg am Markt.

Im Merseburger Kreisblatt vom 21. Mai 1896 wirbt eine Anzeige für „Neidel’s Hotel“ am Freyburger Markt, unterzeichnet von Karl Neidel. Angeboten werden Bewirtung und Stallungen: ein Gasthaus für Reisende, die noch mit Pferd und Wagen kamen.

Das heutige Hotel Unstruttal am Markt 11 schreibt in seiner Hausgeschichte, die Familie Neidel habe das Haus um die Jahrhundertwende erworben und als Hotel geführt.

Ein Foto aus der Zeit um 1920 zeigt das Haus zum Winzerfest geschmückt: an der Fassade ein Porträt von Turnvater Jahn, der früher selbst in diesem Haus gewohnt hat, und ein Willkommensspruch. Den Namen „Neidel’s Hotel“ trägt es da noch immer.

BelegtMerseburger Kreisblatt, 21.05.1896 [3] · Hotel Unstruttal [4] · Future History [8]

1897Im Verein

Wo sich Keller und Gaststube trafen.

Freyburg hat 1897 einen Radfahrerverein mit zwanzig Mitgliedern. Das „Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine“ verzeichnet seinen Vorstand. Den Vorsitz hat E. Kloss, Fabrikant, aus der Familie der Sektkellerei. Die Kasse führt „G. Feldtmann, Kellermeister, Sektkellerei“. Und als Clublokal steht dort: Neidels Hotel.

„RV Freyburg a. U. … 1. Vs: E. Kloss Fabr. … K: G. Feldtmann, Kellermstr., Sektkellerei. … M: 20. Cl: Neidels Hotel.“Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine, 1897, S. 405

Feldmann mit „dt“: So steht es im Jahrbuch. Alles spricht dafür, dass Georg Feldmann gemeint ist, Adams Sohn, damals 32 Jahre alt und Kellermeister bei Kloss & Foerster.

Kellerei, Kellermeister und Hotel am Markt in einer Zeile.

Eine Generation später heiratete Georgs Sohn eine Tochter aus der Familie Neidel.

BelegtJahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine, 1897, S. 405 [9]FamilienarchivDeutung: Georg Feldmann

1898Am Schlossberg

Ein Waldhaus gab es hier schon einmal.

Oben am Schlossberg, unweit der Neuenburg, stand ein Ausflugslokal mit Glashalle und eigener Konditorei. Es hieß „Neidels Waldhaus“ und öffnete 1898. Bald darauf bekam es den Namen, den es bis heute trägt: „Edelacker“. Der Name erinnert an die Sage vom Landgrafen Ludwig, der hier aufsässige Edelleute vor den Pflug spannte. Heute ist es das Weinberghotel Edelacker.

Eine Postkarte von 1905 aus der Sammlung des Museums Schloss Neuenburg zeigt beide Häuser auf einer Karte: Neidel’s Hotel am Markt und Neidels Restaurant zum Edelacker.

BelegtWeinberghotel Edelacker [5] · Museum Schloss Neuenburg [6]

1911Neue Besitzer

Aus dem Ausflugslokal wird ein Berghotel.

Im Sommer 1911 kauft der Domänenpächter Siegel das Restaurant Edelacker. Seine Familie bewirtschaftet die königliche Domäne Freyburg seit hundert Jahren. Siegel baut aus: 1914 steht auf dem Edelacker ein Aussichtsturm, und als er 1916 stirbt, nennt ihn die Zeitung den Erbauer des weithin bekannten Berghotels.

In den 1920er Jahren wirbt das Berghotel mit „erstklassiger Küche“, sonntags mit Konzert und Tanz. Was sich in diesen Jahren am Hang und in unserem eigenen Haus tat, erzählen wir in der Hausgeschichte.

BelegtHallesche Zeitung, 16. und 27.06.1911 und 06.07.1916 · Saale-Zeitung, 19.05.1914 [10] · Museum Schloss Neuenburg [11]

Aus dem Postkartenständer

Grüße vom Edelacker.

Um 1900 schickten Ausflügler Karten vom Schlossberg in die ganze Region. Drei davon, heute gemeinfrei.

Postkarte von 1920: das Edelacker mit Glashalle, dahinter der Dicke Wilhelm
Edelacker, 1920Die lange Glashalle über den Weinbergen, hinten der Dicke Wilhelm.
Postkarte von 1914: Blick vom Edelacker über Freyburg und das Unstruttal
Blick vom Edelacker, 1914Unten die Stadt mit der Marienkirche, dahinter das Tal der Unstrut.
Postkarte von 1913: Restaurant Edelacker mit Relief der Edelacker-Sage
Restaurant Edelacker, 1913Unten das Relief zur Sage: Landgraf Ludwig lässt die Edelleute pflügen.

Die Karte von 1905 mit „Neidels Restaurant zum Edelacker“ gehört dem Museum Schloss Neuenburg. Ihr könnt sie online in der Sammlung ansehen.

Postkarte bei museum-digital ↗

Eine Familie, drei Handwerke

Weinberg, Keller, Gaststube.

In unserer Familie laufen drei Freyburger Handwerke zusammen: Weinbau, Sekt und Gastlichkeit.

Weinberg

Johann Samuel Pochmann1804–1876, FreyburgOffene Spur Ein „Sam. Pochmann, Winzer“ steht 1854 in einem Freyburger Verzeichnis.
Wilhelmine Pochmann1836–1908, seine Tochter

heiratet 1864 Friedrich August Neidel →

Gaststube

Friedrich August Neidel1828–1888
Karl Neidel1866–1947, sein Sohn
Alma Neidelgeboren 1898, Karls Tochter

Keller

Adam Feldmann1838–1926, aus Mainz
Georg Feldmann1865–1939, sein Sohn
Georg Feldmann1896–1965, dessen Sohn
Georg Feldmann ∞ Alma NeidelVon hier führt die Linie über drei weitere Generationen zu uns.

Den Weg der Generationen kennen wir aus unserem Stammbaum und aus Kirchenbüchern. Die Urkunden zu den jüngeren Ehen suchen wir noch, und ob der Hotelier Karl Neidel aus den Zeitungen derselbe Karl ist wie in unserem Stammbaum, prüfen wir gerade. Bis dahin markieren wir diese Stellen als Familienarchiv.

FamilienarchivOffene SpurPochmann als Winzer · Identität Karl Neidel

Wege durch Freyburg

Vom Keller bis an den Schlossberg.

Karte: Orte der Familiengeschichte in FreyburgDicker Wilhelm01 Sektkellerei02 Markt03 Edelacker04 Waldhaus05 NeuenburgN ↑ · 200 m ⟷ 160 px · Basis-DLM © GeoBasis-DE / LVermGeo ST

Und heute

Ein neues Haus, nebenan.

Unser Waldhaus ist nicht das alte „Neidels Waldhaus“. Es ist ein eigenes Haus mit eigener Geschichte, auf dem Grundstück Schloß 24. Der Edelacker hat die Hausnummer 25. Von unserer Zufahrt sind es nur ein paar Schritte hinüber.

Unseren Stammbaum haben wir inzwischen Generation für Generation durchgesehen. Die Neidels und die Feldmanns finden sich darin genau dort, wo die Freyburger Quellen sie zeigen: in der Kellerei und in der Gaststube. Verbunden sind beide Familien über die Ehe von Georg Feldmann und Alma Neidel. Wo uns noch ein Original fehlt, sagen wir es dazu.

Unser eigenes Haus war übrigens einmal ein Weinberghaus. Seine Geschichte, vom Rebhang über die 1920er bis heute, erzählen wir in der Hausgeschichte.

FamilienarchivBelegt: Adressen laut Kataster [7]

Was wir daraus machen wollen: ein Haus für gemeinsame Tage. Mit Respekt vor dem, was hier schon war, und Lust auf das, was kommt.

Aufenthalt vormerkenDas Haus ansehen
Postkarte von 1914: Blick vom Edelacker auf Freyburg
Derselbe Hang, 1914. Blick vom Edelacker hinunter nach Freyburg.

Spurensuche

Was wir noch suchen.

Ein paar Funde haben wir bisher nur als digitalisierten Zeitungstext gesehen. Bevor wir daraus Geschichte machen, wollen wir die Originale prüfen.

Offene Spur · 1897

Ein Sommerrestaurant im Weinberg?

Eine Zeitungsnotiz berichtet, ein Hotelier C. Neidel wolle auf einem Weinbergsgrundstück oberhalb des Schlüfterbergs, unweit des Schlosses, ein Sommerrestaurant bauen. Ob und wie es gebaut wurde, wissen wir noch nicht. Vieles spricht dafür, dass daraus ein Jahr später Neidels Waldhaus wurde, der heutige Edelacker.

Bemerkenswert: Die Flurstücke gleich bei unserer Zufahrt tragen im Kataster bis heute die Lagebezeichnung „Die Schlifterberge“.

Offene Spur · 1918

Eine Villa in der Kloß-und-Försterstraße

Laut einer Zeitungsmeldung verkaufte ein Oberkellermeister Georg Feldmann im Mai 1918 eine Villa in der Kloß-und-Försterstraße. Welche Villa das war, ist offen. 1918 war das sehr wahrscheinlich der ältere Georg, damals 53 und noch bis 1929 im Amt. Sein Sohn war erst 21.

Offene Spur

Carl, Karl, C. oder A.?

In den Quellen tauchen Carl und Karl Neidel auf, dazu ein „C. Neidel“ und ein „Hotelier A. Neidel“. Unser Stammbaum macht die Sache spannender: Es gab nicht nur einen in Frage kommenden Neidel. Neben Karl (geboren 1866) hatte die Familie einen Onkel Johann Carl (geboren 1821) und einen Onkel Johann Andreas (geboren 1839). Und Karl hatte einen älteren Bruder, Paul (geboren 1865). Wer von ihnen wann das Hotel führte, klären wir mit Kirchenbüchern, Adressbüchern und dem Handelsregister.

Offene Spur

Wer hat Neidels Hotel gegründet?

In unserem Stammbaum steht Karls Vater Friedrich August Neidel, gestorben 1888, als Hotelbesitzer am Markt. Das Hotel Unstruttal schreibt dagegen, die Familie habe das Haus erst um die Jahrhundertwende erworben. Karl Neidel wirbt aber schon 1896 für „Neidel’s Hotel“. Vielleicht war die Familie zuerst Pächter, vielleicht lag das Hotel anfangs woanders. Wir suchen weiter.

Habt ihr etwas aus dieser Zeit?

Alte Postkarten vom Edelacker, Fotos aus der Kellerei, Briefe, alte Adressbücher von Freyburg, Erinnerungen an die Neidels oder Feldmanns: Wir freuen uns über jeden Hinweis und nennen euch gern als Quelle.

Quellen

  1. Ralf Kahmann: Die Rotkäppchen Sektkellerei 1856–2006. Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, 2006. Festschrift (PDF), S. 19, 35, 41, 51, 57.
  2. Deutsches Weininstitut: Rotkäppchen Sektkellerei.
  3. Merseburger Kreisblatt, 21. Mai 1896. Digitalisat der ULB Sachsen-Anhalt.
  4. Hotel Unstruttal: Hotelgeschichte.
  5. Weinberghotel Edelacker: Vier Sterne mit Geschichte.
  6. Museum Schloss Neuenburg, Postkarte „NEIDELS RESTAURANT zum Edelacker Freyburg a/U.“, um 1905, Inv.-Nr. MSN-V 6216 Z. museum-digital.
  7. Amtliches Liegenschaftskataster (ALKIS), Flurstücke 62/13 (Schloß 24), 38/2 (Schloß 25), 35/3 und 36/2 (Die Schlifterberge), Gemarkung Freyburg. © GeoBasis-DE / LVermGeo ST, dl-de/by-2-0.
  8. Future History: Neidel’s Hotel um 1920, Beitrag des Hotel Unstruttal.
  9. Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine. Berlin: Hugo & Herman Zeidler 1897, S. 405. Transkription bei Wikisource.
  10. Hallesche Zeitung, 16. Juni 1911, 27. Juni 1911 und 6. Juli 1916; Saale-Zeitung, 19. Mai 1914. Deutsches Zeitungsportal.
  11. Museum Schloss Neuenburg, Postkarte „Schloss Neuenburg Freyburg (Unstrut)“, Junkers-Luftbild, bis 1928, Inv.-Nr. MSN-V 7541 Z. museum-digital.

Bildnachweise: Postkarten Edelacker 1913, 1914, 1920: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC0, via Wikimedia Commons. Cuvéefass: ErwinMeier, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons, verkleinert. Anzeige Kloss & Foerster aus „Jugend“ 3/1906 und Plakat von Hans Rudi Erdt, 1912: gemeinfrei, via Wikimedia Commons. Karte: Basis-DLM © GeoBasis-DE / LVermGeo ST, dl-de/by-2-0. Familienarchiv: Stammbaum der Familie mit Kirchenbuch- und Registerindizes (Mainz, Freyburg, Nißmitz). Die offenen Spuren beruhen auf durchsuchbaren Zeitungsdigitalisaten der ULB Sachsen-Anhalt und sind noch nicht am Original geprüft.